Das besondere TUSCH-Projekt

 

20-jähriges TUSCH-Jubiläum und TUSCH Festival 2018

Macht Theater Spaß?
Ja?
Nein?
Hängt davon ab?

Ob Theater Spaß macht, war eine der vielen Fragen, die dem Publikum im Rahmen der Feier zum 20-jährigen TUSCH-Jubiläum am 6. März 2018 bei einer Umfrage während der MINI-Präsentationen gestellt wurde. Später wurden die Ergebnisse in eines der drei Jubiläumsstücke eingepflegt. Während das Publikum sie mehrheitlich mit „Ja“ beantwortete, waren die jungen Spieler*innen teilweise anderer Meinung: „Theater ist spießig und langweilig“ behaupteten sie, um es zugleich spielfreudig durch ihre körperlich präsente Darbietung selbst zu entkräften. Dass zumindest „Theaterspielen“ Spaß macht, zeigten nicht nur die MINI-Präsentationen, die Foyer, Räume und Treppenhäuser im Podewil in eine außergewöhnliche Spiellandschaft verwandelten, sondern auch die drei Jubiläumspräsentationen „20 Jahre TUSCH – Warum überhaupt Theater?“ der Ernst-Reuter-Oberschule und der Theater an der Parkaue, der Schule am Bienwaldring und des GORKI sowie der Thalia-Grundschule und des Theater o. N.

Mit ganz unterschiedlichen ästhetischen Formen – Bewegungstheater, Masken, Publikumsinteraktion, Objekttheater – erzählten die Schüler*innen in drei ineinander übergehenden Präsentationen dem Publikum ihre Gedanken zu der Frage „Warum überhaupt Theater?“: von der vorhanden und nicht-vorhandenen Bedeutung von Theater für ihr Leben, was Theater leisten sollte, was sie gerne im Theater sehen möchten, warum Theater für Menschen wichtig ist, wie es sich anfühlt, Theater zu spielen, von den Unterschieden zwischen Film und Theater, von Theaterzeit u.v.m.

Dieser rundum theatrale Aufakt war zugleich die Eröffnung  des TUSCH-Festival 2018 vom 6. bis 9. März: 16 Theaterproduktionen und Nachgespräche, 4 Theaterworkshops für Schüler*innen, 1 Ausstellung über die Partnerschaften im ersten TUSCH-Jahr sowie Hör- und Videobeiträge, Bilder und Figuren, rund 350 junge Schauspieler*innen, 45 aufgeregte Theaterpädagog*innen und Lehrer*innen und über 1000 Besucher*innen prägten drei volle Festivaltage.

Die Vielfalt der beteiligten Schulen und Theater spiegelte sich auch in den unterschiedlichen Theaterformen und Themen wider: Grundlegende Gedanken über das Glück, wie in Glücksfänger*innen (Hermann-Nohl-Grundschule/GRIPS Theater) oder Das Stück vom Glück (Bötzow-Grundschule/Komische Oper), über Künstliche Intelligenz in 100 Fragen an Künstliche Intelligenz (Käthe-Kollwitz-Gymnasium/Sophiensaele), über Höhen und Tiefen des Familienlebens wie in Ich, Mama, Papa, Einhorn & Co (Elbe-Schule/SCHAUBUDE) oder Die Gewitterwolke einer gemeinsamen Krise (Ernst-Reuter-Oberschule/Volksbühne) teilten sich die Bühne mit alltagsnahen, gesellschafts- und sozialkritischen Theaterproduktionen wie Brennen und Punkten (Gustav-Freytag-Schule/Staatsoper) oder Silence me! (Max-Beckmann-Oberschule/GORKI), die sich mit ihrem Lebensalltag im Wedding oder Hate speech auseinandersetzten – alles mit einer Mischung aus traditioneller und experimenteller Theaterkunst, mit Tanz, Beatboxing, Rap filmischen Elementen und Maskenspielen. In einer besonders virtuell-realen Interaktion befand sich das Publikum in dem als Spiel konzipierten Stück Rettet Hellersdorf der Melanchthon-Schule und des Theater an der Parkaue: die Zuschauer*innen wurden Spielfiguren zugeordnet, mussten gegen andere Gruppen antreten, Aufgaben lösen und haben sich dabei spielerisch mit den Themen Rassismus und Abschiebung beschäftigt.

Begleitet wurden die Theaterprogramme jeweils von einem Nachbereitungsgespräch, an dem Spieler*innen und Zuschauer*innen gleichermaßen teilnahmen und über die Stücke reflektierten und diskutieren konnten.

Theater spielen, Theater sehen und über Theater sprechen war nicht nur beim TUSCH-Festival 2018 ein wichtiges Motto, sondern ist seit 20 Jahren eine wichtige Grundlage für die gemeinsame Theaterarbeit der seit der Gründung 1998 vermittelten rund 200 TUSCH-Partnerschaften. Sie alle waren dieses Jahr beim 20-jährigen Jubiläum und Festival 2018 in Form eines mit Schnüren an die Foyerdecke gespannten Ortsschildes – inspiriert durch das langjährige TUSCH-Logo auf gelbem Grund – präsent. TUSCH dankt allen Teilnehmer*innen für dieses bunte, tolle, spannende, manchmal auch schön-anstrengende Theaterspektakel. Auf die nächsten 20 Jahre!

Das Projekt „20 Jahre TUSCH – Warum überhaupt Theater?“ und die MINI-Präsentationen wurden freundlicherweise von der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin und dem Deutschen Bühnenverein – Landesverband Berlin gefördert.
 

 





Das besondere Projekt 2016/17: „Speakers Corner – Rollenwechsel!“

jfsb_logo_2015_-mit-schriftzugIn einem einwöchigen Theaterprojekt beschäftigten sich Schüler*innen zwischen 14 und 17 Jahren unter dem Motto „RollenWechsel“ mit Geschlechterrollen und -verhältnissen, Normen und Stereotypen: Was ist eigentlich typisch weiblich oder typisch männlich? Welche Klischees begegnen uns in Schule und Alltag? Welches Rollenverständnis habe ich? Was ist überhaupt Geschlecht? Gibt es mehr als zwei Geschlechter? Auf dieser inhaltlichen Grundlage konzipierten die Schüler*innen mit den Theaterpädagog*innen anhand theatraler/performativer Methoden selbst einen Theaterworkshop, den sie anschließend eigenständig mit ihren Mitschüler*innen durchführten und bei diesen wiederum eine Reflektion mit Stereotypen, Vorurteilen und Gleichstellung intiierten. Mit den Jugendlichen wurde also nicht nur „etwas“ gemacht, sondern sie entwarfen und erprobten selbst theaterpädagogische Module und leiteten gleichaltrige Schüler*innen an. Sie lernten, theaterpädagogische Übungen anschaulich und sinnhaft zu vermitteln, sich auf die Dynamik einer fremden Gruppe einzulassen, zu improvisieren und doch die eigenen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Sie wechselten in die „Rolle“ als Vermittler, waren Entscheider und übernahmen Verantwortung. Bereits im Herbst 2015 hatte bei TUSCH mit „Speakers Corner – Sag Deine Meinung!“ ein ähnliches Partizipationsprojekt stattgefunden, das wir in inhaltlich und strukturell veränderter Form erneut realisiert haben. Das Theaterprojekt „Speakers Corner – Rollenwechsel!“ wurde freundlicherweise von der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin gefördert. Mehr zu dem Projekt hier!

 

Das besondere Projekt 2016: KulturKaleidoskop

1_logo_scbk_erika-thomasIn dem einwöchigen Erzähl- und Theaterworkshop „KulturKaleidoskop“ mit den Erzähler*innen/ Theaterpädagog*innen Stefanie Kaluza und Leandro Gomes Viana beschäftigen sich jeweils eine Willkommensklasse der Gustav-Freytag-Schule und der Ernst-Reuter-Oberschule mit dem Thema „Was bedeutet Kultur für mich?“. Anhand theaterpädagogischer Methoden konkretisieren sie die Fragestellung – Wie sieht meine Kultur aus? Was ist mir wichtig an meiner Kultur? Kenne ich noch andere Kulturen? Welche Unterschiede begegnen mir? – und sie sammeln Materialien, Geschichten, Gesten, Verhaltensweisen etc., die ihre Kultur oder andere Kulturen repräsentieren. Dabei ist es auch möglich, dass sich neue Fragen ergeben oder sich die Themenschwerpunkte erweitern und verschieben. Die Schüler*innen setzen sich nicht nur mit dem eigenen Kulturverständnis auseinander, sondern überlegen gemeinsam mit der Erzähler*in und der Theaterpädagog*in in einem zweiten Schritt weitere Fragen, die sie anderen stellen möchten und sie entwickeln spielerische –verbale/nonverbale – Interviewsituationen rund um das Thema „Was bedeutet Kultur für mich und die anderen?“.

Mit diesem Fragenpool gehen sie auf eine Forschungsreise in ihren unmittelbaren Sozialraum und interviewen Mitschüler*innen, Lehrer*innen, Mitarbeiter*innen der umliegenden Ladengeschäfte, Passant*innen u. v. m. Zusammen mit den Künstler*innen entscheiden die Jugendlichen schließlich, welches Material und welche Erkenntnisse ihnen besonders wichtig sind und probieren/entwickeln Formen der szenischen Umsetzung. Wie bei einem Kaleidoskop untersuchen sie das Kulturverständnis von sich und anderen – von nah und fern – und fügen die verschiedenen Glassteine in neuer Gestalt zusammen. Sie überprüfen die Ergebnisse auf ihre Spielbarkeit und lernen unterschiedliche Erzähl- und Theatertechniken kennen. Am Ende der Projektwoche werden die künstlerischen Ergebnisse bei einer Abschlusspräsentation gezeigt.

Das ErzählTheaterProjekt „KulturKaleidoskop“ findet in Kooperation mit FabulaDrama e. V. statt und wird freundlicherweise von der Stiftung Chancen und Bildung für Kinder – Erika Thomas gefördert.


Das besondere Projekt 2015: „Speakers Corner – Sag deine Meinung!“

StarkGemacht_JDFB-Logo_RGBVom 12. bis 16. Oktober veranstaltete TUSCH einwöchige Theaterworkshops unter dem Titel „Speakers Corner – Sag Deine Meinung!“, in dem sich Jugendliche inhaltlich mit der Frage auseinandersetzten, wie wir als Menschen im 21. Jahrhundert zusammenleben wollen, wie wir dieses Zusammenleben gestalten möchten und welche Aufgaben dem einzelnen dabei zukommen. Anders als bei bisherigen Workshops von TUSCH ging es hier allerdings nicht nur um die Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema, sondern noch einen Schritt weiter: Gemeinsam mit Theaterpädagog*innen entwickelten die Jugendlichen unter der oben genannten Fragestellung und anhand theatraler/performativer Methoden selbst einen Theaterworkshop. Anschließend haben die Schüler’innen den gemeinsam erarbeiteten Theaterworkshop eigenständig mit ihren Schulkolleg*innen durchgeführt. Der Theaterworkshop „Speakers Corner – Sag Deine Meinung!“ wurde freundlicherweise vom Jugend-Demokratie-Fonds gefördert.

Mehr zu dem Theaterprojekt können Sie hier lesen: „Speakers Corner“ – Sag Deine Meinung!“-Ergebnisbericht