Wie ist deine TUSCH Geschichte?
Ich kenne TUSCH mittlerweile aus vielen Perspektiven und Rollen: Als Berlinerin habe ich die Anfänge von TUSCH in der 1990ern als Schülerin miterlebt und in dieser Zeit von Workshopangeboten an verschiedenen Theatern sowie günstigen Tickets profitiert. Als ich dann mit der Schule fertig war, habe ich in der Theaterpädagogik des Maxim Gorki Theaters ein Praktikum gemacht. In diesem Rahmen habe ich als Assistentin ein TUSCH Projekt begleitet, das für eine gemischte Gruppe Schüler*innen als eine Art Spielclub angeboten wurde. Viele Jahre später hat mir der Kontakt zur TUSCH Gründerin Renate Breitig eine neue Berufsperspektive eröffnet. Unter Lena Blessing durfte ich als freie Mitarbeiterin einen zweitägigen TUSCH Workshop anleiten und als Projektleitung das Format TUSCH Koproduktion begleiten. Seitdem ich die Leitung der Jungen Deutschen Oper über-nommen habe, lerne ich TUSCH nun aus dieser Perspektive kennen. Ich erlebe wie es ist, als Theater in eine dreijährige Partnerschaft mit einer Schule zu gehen und zu schauen, wie für alle Seiten das Beste daraus entstehen kann. TUSCH hat mich also die meiste Zeit meines Lebens begleitet. Ich wäre nicht hier, wo ich jetzt bin, wenn es TUSCH nicht gäbe, da bin ich mir sicher.
Was ist dein persönlicher TUSCH Moment?
Die TUSCH Angebote in den 1990er Jahren hingen in meiner damaligen Schule im Eingangsbereich. Das kam mir sehr gelegen, denn so hatte ich einen guten Vorwand, dort herumzustehen und mir die Angebote genauer anzuschauen. Insgeheim wartete ich nämlich genau an dem Ort darauf, einer bestimmten Person zu begegnen, in die ich verknallt war. Er kam an bestimmten Tagen und Zeiten genau dort vorbei, das wusste ich. Ich konnte ihm vor den TUSCH Aushängen also „zufällig“ begegnen, während ich (mal mehr mal weniger) das TUSCH Programm studierte. Wir waren zusammen in der Theater AG und sind dann auch kurz zusammengekommen. Er war mein erster Freund und TUSCH hat mir dabei geholfen, ihm in der Annäherungsphase häufiger zu begegnen. Darüber hinaus hatte ich noch viele TUSCH Momente der Bestätigung in dem, was ich gerne tat und in dem ich gut war, dem Theaterspielen als Jugendliche und später im Organisieren von Projekten.
Was möchtest du TUSCH mit auf den Weg geben?
Ich wünsche mir, dass es TUSCH noch lange gibt und dass Berlin sieht, wie viel TUSCH seinen Kindern, Jugendlichen und Lehrkräften geben kann. Und auch den Theatern. Es ist ein Geben und Nehmen in beide Richtungen, wir bereichern uns gegenseitig. Und TUSCH kann eben auch Lebenswege prägen und gestalten, kann in den entscheidenden Lebensphasen einen Raum geben, der*die zu sein, der*die man sein möchte. TUSCH begleitet und gibt Inspiration, Kraft und Energie. Das brauchen wir ganz dringend und Berlin sollte sich dieser Energiequelle bewusst werden. Also halte durch TUSCH, du wirst gebraucht! Danke für alles!
Fanny Frohnmeyer studierte in Gießen Angewandte Theaterwissenschaft und schloss dort 2012 mit Diplom ab mit einem Schwerpunkt auf Klangkunst und Sounddesign. Seitdem arbeitete sie u.a. als künstlerische Produktionsleiterin für Heiner Goebbels und She She Pop, mit denen sie auch international tourte, sowie für verschiedene Festivals, in der Freien Szene und am HAU Hebbel am Ufer.
Nach einer Weiterbildung zur Kulturellen Fachkraft verlagerte sie 2018 ihren Arbeitsschwerpunkt in die Kulturelle Bildung mit Blick v.a. auf Musiktheater. Für TUKI – Theater & Kita und TUSCH – Theater & Schule arbeitete sie als Produktions- und Projektleiterin, bis sie im August 2022 die Leitung der Jungen Deutschen Oper übernahm.


