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TUSCH+ Partnerschaft im Gespräch

 

Für die Max-Bill-Schule – OSZ Planen/Bauen/Gestalten und das Berliner Ensemble endet mit diesem Schuljahr eine 6-jährige Partnerschaft. TUSCH+ Partnerschaften arbeiten an einer nachhaltigen Verankerung von Theater im Schulalltag im Sinne kultureller Schulentwicklung. Ein Theater-Gremium aus aktiven Lehrkräften und der Schulleitung begleitet die strukturelle Implementierung des Theaterprofils: etwa mit fächerverbindenden Theaterprojekten. Das Partnertheater übernimmt nach und nach eine coachende Funktion.

Im Gespräch geben Doris Franzen und Markus Gehann, Lehrer*innen an der Max-Bill-Schule, und Mona Wahba und Manuel Kern als Theaterpädagog*innen des TUSCH Partnertheaters Berliner Ensemble, Einblick in ihre Zusammenarbeit:

 

Ihr habt 6 Jahre TUSCH mit Leben gefüllt. Welcher TUSCH Moment ist euch in besonderer Erinnerung geblieben?

Markus: Mir werden Lena Blessings (ehem. TUSCH Programmleitung, Anm. der Redaktion) Worte zur Eröffnung des Festivals 2024 in Erinnerung bleiben. Sie sagte – sinngemäß –, dass das Theatermachen junge Menschen selbstwirksames Handeln lehrt. Da ist mir ein Licht aufgegangen. Seitdem sage ich in der Schule immer: „DS wirkt!“

Das dritte TUSCH Jahr war ziemlich speziell: das Festival 2022 hat unter Corona-Bedingungen zwar stattgefunden, jedoch unter strengen Auflagen. Die Schüler*innen-Gruppen durften sich nicht begegnen und das hat uns herausgefordert. Wir hatten aber engagierte Teilnehmende, die das mitgetragen und das Thema „Heroes“ toll umgesetzt haben. Für mich war da klar, dass ich mit dem Berliner Ensemble weiterarbeiten will und ein Jahr später haben wir uns dann für TUSCH+ beworben.

Manuel: Eins meiner persönlichen Highlights war das Erzeugen eines Online-Theaterstücks mit einer Partnerklasse, bei dem sich alle Schüler*innen einen „Die Sims“-Avatar erstellt haben und im Game Szenen entworfen haben. Es war faszinierend, dass wir trotz der Umstände Motivation und Kreativität erzeugen konnten. Es war für mich eine tolle Erfahrung, als dann unsere Partner-Lehrer*innen Doris Franzen und Markus Gehann kurz nach dem Ende der Lockdowns ihr erstes „eigenes“ Theaterstück auf die Bühne brachten. Da war ich stolz und beeindruckt zugleich. Da ging so ein Glitzern durch die Schule und unsere Arbeit im Hintergrund hat sich nachhaltig und wirksam angefühlt.

Doris: Letztes Jahr war auch der Bürgermeister und die Schulsenatorin zu Gast bei uns in der Max-Bill-Schule und wir konnten einen Auszug aus dem zuvor beim TUSCH Festival gelaufenen Stück „Fallen“ zeigen. Dafür haben  wir viel Zuspruch bekommen und konnten nebenbei auch noch Werbung für kulturelle Bildung machen.

Was hat TUSCH an eurer Schule / am Theater bewegt? Was ist nach TUSCH anders als vor TUSCH? Welchen Einfluss hatte der lange Kooperationszeitraum auf die Zusammenarbeit?

Markus/Doris: Wir hatten vor TUSCH keinen Theaterraum, von Bühne oder Licht- bzw. Tontechnik ganz zu schweigen. Seit 2023 sind wir in einem großen Raum, der für unsere Bedürfnisse ausgestattet ist. Auch die Kooperation mit dem Kunst-Fachbereich an unserer Schule ist intensiver geworden. Wir befruchten uns gegenseitig: wir geben den Kunst-Schüler*innen Ideen und Impulse für deren Arbeit an unserem Bühnenbild, Kostümen und Requisiten. Die Ergebnisse sind dann bei den Aufführungen für ein breiteres Publikum sichtbar. Apropos Publikum… wir führen durch TUSCH und das BE auch häufiger und professioneller auf als vorher.

Manuel: Es war toll, die wachsende Spielfreude und -kompetenz der Klassen zu sehen, z.B.wenn im Abitur Theater als Fach gewählt wird oder man Menschen aus der Schule nach mehreren Jahren unverhofft im Theater wiedersieht. Theaterspielen ist an der Max Bill Schule cool geworden, wird anerkannt, akzeptiert. Zu Beginn der Partnerschaft kam es gefühlt noch häufiger zu Augenrollen oder Kein-Bock-Sprüchen, wenn über Theater gesprochen wurde.

Wie hat sich die Beziehung zu eurem Partnertheater, dem Berliner Ensemble, entwickelt? Was nehmt ihr aus dem Theater mit in den Schulalltag? Und umgekehrt: Was nimmt das Theater aus der engen und langfristigen Kooperation mit einer Schule mit in die theaterpädagogische oder künstlerische Praxis?

Markus/Doris: Wir nehmen viele neue Ideen und Methoden für den eigenen Unterricht aus Workshops am Berliner Ensemble mit. Die Arbeits- bzw. Präsentationsformen des modernen Theaters kann ich auch in die Entwicklung selbständig produzierter Stücke integrieren, zum Beispiel wie man von Schüler*innen gesprochene oder geschriebene Texte mit einbezieht.

Mona: Der langjährige Austausch mit der Max-Bill-Schule hat in verschiedenen Jahren und Stadien immer wieder neue Impulse zu uns ans Theater gebracht. Nicht zuletzt durch die Besuche der Schulklassen und die Perspektiven der Schüler*innen; unter anderem haben wir eine Führung zum Thema Berufe am Theater entwickelt, die wir in Zukunft auch anderen Schulklassen anbieten können. Außerdem unterstützt der intensive Kontakt zur Max-Bill-Schule auch den produktiven Austausch zwischen den Welten Theater und Schule – und man kann voneinander lernen!

 

Doris Franzen wurde in Ostwestfalen geboren, lebt aber gefühlt schon ein fast ganzes Leben in Berlin. Als Deutsch- und Englischlehrerin war sie schon immer sehr an Kultur interessiert. 2015 erhielt sie die Chance die berufsbegleitende Fortbildung „Darstellendes Spiel“ zu machen. Dieses einzigartige Fach zu unterrichten und den Fachbereich zusammen mit ihren Kolleg*innen an der Max-Bill-Schule weiterzuentwickeln, hat ihr Leben ungemein bereichert.

Markus Gehann ist in Rumänien als Kind einer Lehrerin und eines Kellners geboren und zog mit 9 Jahren nach Deutschland, wo er in einer bayerischen Kleinststadt im DS-Unterricht der 12./13. Klasse die Liebe zum Theater entdeckte und selbst spielte (unter anderem in der Dreigroschenoper). Im Alter von 20 Jahren nach Tübingen, Baden-Württemberg zum Studieren gezogen und seit 2015 als Lehrer für Englisch, Geschichte und Darstellendes Spiel an der Max-Bill-Schule tätig.

Manuel Kern studierte Psychologie an den Universitäten von Trier und Chemnitz, Theaterwissenschaft an der FU Berlin sowie Theaterpädagogik an der UdK Berlin. Zusätzlich absolvierte er eine Ausbildung zum Psychodrama-Therapeuten. Seit November 2018 ist Manuel Kern angestellt als Theaterpädagoge bei einem kunstpädagogischen Träger in Berlin-Neukölln. Seit der Spielzeit 2019/20 arbeitet er für das Berliner Ensemble und gibt dort Kurse für Jugendliche und Erwachsene.

Mona Wahba war in Wien in der Schule und hat dort auch in der Theater-AG mitgespielt. Seit 2018 ist sie Theaterpädagogin am Berliner Ensemble und gibt mit großer Freude Workshops für Menschen unterschiedlichen Alters. Gemeinsam mit Leonie Ahmer begleitete sie die TUSCH-Kooperation, hauptsächlich organisatorisch, und begrüßte die Schüler*innen über die Jahre in unterschiedlichen Kontexten im Proberaum, Backstage und im Theatersaal.

 

 

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